dpa unterstützt Initiative der europäischen Nachrichtenagenturen

Die Produktion von hochwertigen Inhalten kostet die Medien viel Geld. Relevante Nachrichten und Berichte sind oft Voraussetzung dafür, im Internet hohe Werbeumsätze zu erzielen. Davon profitieren aber nur einige Unternehmen, nicht zuletzt soziale Netzwerke und Suchmaschinen. 18 europäische Nachrichtenagenturen verlangen in einem Brief von großen Internet-Unternehmen wie Facebook und Google eine Anerkennung ihrer Rechte als Nachrichtenlieferanten. Zu den Unterzeichnern gehört auch die Deutsche Presse-Agentur.


Die Zukunft der freien Presse liegt in den Händen der EU-Gesetzgeber

Am 12. September werden die Abgeordneten in Straßburg über einen Gesetzesentwurf abstimmen, der für den Erhalt der freien Presse von höchster Bedeutung ist. Der Gesetzesentwurf wird das groteske Missverhältnis zwischen Internetgiganten auf der einen und Verlagen und Nachrichtenagenturen auf der anderen Seite korrigieren. In der jetzigen Situation plündern Internetgiganten die Inhalte von Verlagen und Nachrichtenagenturen, um Werbeinnahmen zu generieren.
 
Die Reform wurde von Facebook und Google heftig bekämpft basierend auf einer völligen Erfindung: eine angebliche Bedrohung für den freien Zugang der Menschen zum Internet. Tatsächlich stand dies nie im geringsten Zweifel.
 
Was der EU-Vorschlag zur Urheberrechtsreform ändern will, ist eigentlich ganz einfach. Ohne dafür zu bezahlen, nutzen Internetgiganten wie Google und Facebook enorme Mengen an Nachrichten, die von Presseverlagen und Nachrichtenagenturen zu hohen Kosten produziert werden. Sie nutzen diese Nachrichten, um immer mehr Werbegelder anzuziehen, und saugen damit die Erträge der Medien ab. Darüber hinaus locken sie mit ihrem riesigen Publikum eine wachsende Zahl inhaltsbezogener Werbung an, sodass Facebook und Google schon zu einem Duopol geworden sind, das 2017 achtzig Prozent der weltweiten Internet-Werbeeinnahmen – mit Ausnahme von China – unter sich aufgeteilt hat.
 
Im Rahmen der Reform müssten sie einen kleinen Teil ihrer Verkaufserlöse mit den Urhebern dieser Inhalte teilen. Es geht darum, das Urheberrecht der Realität anzupassen, um nicht mehr. Die letzte europäische Richtlinie dazu stammt aus einer Zeit, in der Google, Facebook, YouTube und Smartphones noch nicht das Licht der Welt erblickt hatten.
 
Die grundlegende Frage ist: Warum sollten die Internetgiganten fast alle Werbeeinnahmen rund um Nachrichten bekommen, für deren Produktion sie nicht bezahlt haben?
 
Presseverlage und Nachrichtenagenturen befinden sich in einer grotesken Situation: Sie investieren große Summen in die Produktion der Nachrichten und es sind ihre Journalisten, die sich – bisweilen unter großem persönlichen Risiko – um eine genaue, vielfältige und umfassende Berichterstattung bemühen. Sie müssen die großen Investitionen finanzieren, die für Online-Nachrichten benötigt werden. Während die Zeitungsverkäufe einbrechen, liegt ihre einzige Hoffnung in der Steigerung des Internetumsatzes. Doch müssen sie feststellen, dass die großen Internet-Akteure die Früchte ihrer Arbeit zum Nulltarif ergattern und ihnen die Möglichkeit nehmen, ihre Inhalte zu monetarisieren und potenzielle Werbeeinnahmen abzuschöpfen.
 
Das Ergebnis ist die Verarmung einer ganzen Industrie. In den vergangenen 20 Jahren haben die großen Internet-Player die Stärke der  traditionellen Medien untergraben, trotz der für gewöhnlich erfolgreichen Bemühungen dieser Medien, Online-Nutzergruppen auszubauen. Seit dem Jahr 2000 sind die Werbungseinnahmen aus den Zeitungsverlagen europaweit eingebrochen, in Frankreich beispielsweise um 70 Prozent. Tausende von Journalisten wurden in einer Reihe von Stellenabbauplänen entlassen. In den vergangenen zehn Jahren haben die Print-Medien in den USA, wo die dominierenden Internet-Player zu Hause sind, mehr als die Hälfte ihrer Werbeeinnahmen eingebüßt und Redaktionen 45 Prozent ihrer Mitarbeiter verloren – etwa 39.000 Journalisten weniger.
 
Die Plünderung der Inhalte der Nachrichtenmedien und ihrer Werbeeinnahmen durch die Internetgiganten ist eine Bedrohung sowohl für die Verbraucher als auch für die Demokratie, da sie die Nachrichtenredaktionen entvölkern und jegliche Mittel zur Finanzierung von hochwertigem Journalismus vor Ort aushöhlen. Es ist dieses Ungleichgewicht, welches die vorgeschlagene europäische Richtlinie korrigieren will, indem die Urheber eine angemessene Vergütung für ihre Arbeit erhalten.
 
Können die Titanen des Internets die Medien entschädigen, ohne die Menschen für den Zugang zum Internet zahlen zu lassen? Die Antwort ist eindeutig "Ja". Facebook meldete 2017 einen Umsatz von 40 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 16 Milliarden US-Dollar. Google erzielte im selben Jahr einen Umsatz von 110 Milliarden US-Dollar und erzielte damit einen Gewinn von 12,7 Milliarden US-Dollar. Wer könnte vernünftig argumentieren, dass sie nicht in der Lage wären, faire Zahlungen für die von ihnen verwendeten Inhalte zu leisten?
 
Ist es in Anbetracht der Tatsache, dass diese Unternehmen in Europa schon Steuern vermeiden, akzeptabel, dass sie keine Zahlungen an die Lieferanten ihrer Inhalte leisten, diese aber Steuern zahlen und die Kosten für die Berichterstattung tragen? Können die Europaabgeordneten hinnehmen, dass nationale und europäische Medieninhalte von den Internetgiganten einfach so abgeschöpft werden? Sehen diese das Risiko, dass die einzigen Überlebenden in der Nachrichtenbranche zunehmend auf Steuergelder angewiesen sein werden – und auf die Regierungen, die von unseren Zeitungen eigentlich zur Rechenschaft gezogen werden sollen?
 
Worüber wir wirklich sprechen, ist die Einführung einer fairen Geldleistung seitens jener, die die Nachrichten ausgebeutet haben. Im Interesse der freien Presse und der demokratischen Werte Europas sollten die EU-Gesetzgeber die Urheberrechtsreform vorantreiben. 

AFP, Paris: Fabrice Fries, President and CEO
AGERPRES, Bucharest: Alexandru Giboi, Director General and CEO
ANA-MPA, Athens: Michalis Psilos, President and CEO
ANADOLU, Ankara: Senol Kazanci, Chairman and CEO
APA, Vienna: Clemens Pig, President and CEO
BELGA, Brussels: Patrick Lacroix, CEO
BTA, Sofia: Maxim Minchev, Director General and CEO
CTK, Prague: Jiri Majstr, Director General and CEO
DPA, Hamburg/Berlin: Peter Kropsch, President and CEO
LUSA, Lisbon: Nicolau Santos, President and CEO
NTB, Oslo: Mads Yngve Storvik, Editor-in-Chief and CEO
PA, London: Clive Marshall, CEO of PA Group
RITZAU, Copenhagen: Lars Vesterlokke, Editor-in-Chief and CEO
STA, Ljubljana: Bojan Veselinovic, Director and CEO
STT, Helsinki: Mika Pettersson, Executive Editor-in-Chief and CEO
TANJUG, Belgrade: Branka Djukic, Director General and CEO
TT, Stockholm: Jonas Eriksson, Editor-in-Chief and CEO and President of European Alliance of News Agencies
UKRINFORM, Kiev: Oleksandr Kharchenko, Director General and CEO

 

The Future of the Free Press is in the Hands of EU Lawmakers

On 12th September in Strasbourg, MEPs will vote on a draft law that would correct the grotesque imbalance in how internet giants plunder press publishers’ and news agencies’ content to generate advertising revenues, a situation which is already draining the lifeblood of the independent press.
 
The reform has been fiercely opposed by Facebook and Google, who have campaigned on a complete fabrication: a supposed threat to people's free access to the internet. Yet this has never been in the slightest doubt.
 
What the proposal aims to change is quite simple. Without paying for it, internet giants such as Google and Facebook use vast quantities of news that is produced at great cost by press publishers and news agencies. They use those stories to attract more and more advertising money and in doing so, divert revenue away from the media. Their huge audiences lure a growing slice of content-related advertising, to the point that Facebook and Google have effectively become a duopoly, garnering between them 80 percent of global internet advertising revenue, excepting China, in 2017.
 
Under the reform, they would have to share a small fraction of their sales revenue with the producers of that content. It is about bringing copyright law up to date with reality, nothing more. The last European directive on this dates back to an era when Google, Facebook, YouTube and smartphones had yet to see the light of day.
 
The fundamental question is: Why should the internet giants get almost all the advertising revenue from stories they did not pay to produce?
 
Press publishers and news agencies find themselves in a ludicrous situation: it is they who invest large sums to produce the news and it is their journalists who, sometimes at great personal risk, endeavour to provide accurate, diverse and comprehensive news coverage. They must finance the large investments needed for online news operations.
 
As paper sales plunge, their only hope lies with the development of internet revenue. Yet they see the big internet players snatch the fruits of their labour for free, depriving them of the possibility of monetising their content and siphoning off potential advertising revenue.
 
The result has been the impoverishment of an entire industry. In 20 years, the large internet players have sapped the strength of the traditional media, despite the media's usually successful efforts to develop online audiences. Since 2000, written media advertising revenues have plummeted across Europe: by 70 percent, for example, in France. Thousands of journalists have been laid off in a succession of redundancy plans.
 
Over the past 10 years in the United States, home of the dominant internet players, the media have lost more than half of their advertising revenues and the press corps some 45% of their number – down to 39,000 journalists.
 
The internet giants' plundering of the news media's content and of their advertising revenue poses a threat both to consumers and to democracy, to the extent that they are emptying newsrooms and undercutting any means of financing high quality, on-the-ground journalism. It is this imbalance that the proposed directive aims to correct, by enabling the authors to receive fair remuneration for their work.
 
Can the titans of the internet compensate the media without asking people to pay for access to the internet, as they claim they would be forced to? The answer is clearly 'yes'.
 
Facebook reported $40 billion in revenues in 2017, with profits of $16 billion. Google brought in $110 billion in revenue the same year, making $12.7 billion in profit. Who could reasonably argue that they are not in a position to make fair payment for the content they use?
 
While these companies manage to escape paying taxes in Europe, is it acceptable that they also make no payment to the content suppliers who pay taxes and bear the cost of actually reporting the news? Can European lawmakers accept that national and European media content is siphoned off by the internet giants? Do they see the risk, that the only survivors in the news industry will be increasingly dependent on taxpayers’ money – and on the governments our newspapers are supposed to hold to account?
 
What we are really talking about is introducing a fair payment by those who have ripped off the news. For the sake of Europe’s free press and democratic values, EU lawmakers should press ahead with copyright reform.
 
September 4, 2018
 
AFP, Paris: Fabrice Fries, President and CEO
AGERPRES, Bucharest: Alexandru Giboi, Director General and CEO
ANA-MPA, Athens: Michalis Psilos, President and CEO
ANADOLU, Ankara: Senol Kazanci, Chairman and CEO
APA, Vienna: Clemens Pig, President and CEO
BELGA, Brussels: Patrick Lacroix, CEO
BTA, Sofia: Maxim Minchev, Director General and CEO
CTK, Prague: Jiri Majstr, Director General and CEO
DPA, Hamburg/Berlin: Peter Kropsch, President and CEO
LUSA, Lisbon: Nicolau Santos, President and CEO
NTB, Oslo: Mads Yngve Storvik, Editor-in-Chief and CEO
PA, London: Clive Marshall, CEO of PA Group
RITZAU, Copenhagen: Lars Vesterlokke, Editor-in-Chief and CEO
STA, Ljubljana: Bojan Veselinovic, Director and CEO
STT, Helsinki: Mika Pettersson, Executive Editor-in-Chief and CEO
TANJUG, Belgrade: Branka Djukic, Director General and CEO
TT, Stockholm: Jonas Eriksson, Editor-in-Chief and CEO and President of European Alliance of News Agencies
UKRINFORM, Kiev: Oleksandr Kharchenko, Director General and CEO